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Tierschutz als Wahlkampfthema

Aktualisiert: 30. Juni 2023

Viel Heuchelei, statt aktiver Einsatz für das Tierwohl


Es ist Wahlkampf! Am 8. Oktober dieses Jahres wird über eine neue Zusammensetzung des Parlaments entschieden und Luxemburgs Parteien buhlen wieder um Stimmen. Das Thema Tierschutz hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Das ist auch bei den Parteien angekommen und pünktlich vor den Wahlen wird das Tierwohl wieder hervorgekramt. Blickt man auf die letzte Legislaturperiode zurück, waren die politischen Versprechungen bei den allermeisten Parteien nichts als heiße Luft. Die Bilanz ist für Tierfreunde und Tierschützer mehr als ernüchternd. Statt aktiver Einsatz für den Tierschutz und das Tierwohl, gab es eine Menge Heuchelei.



Seit Einführung des „Gesetzes vom 27. Juni 2018 zum Schutz des Tieres“, fristet der Tierschutz in Luxemburg weiterhin ein stiefmütterliches Dasein. Denn Luxemburgs Politik füllt das Gesetz keineswegs mit Leben. Sie nutzt es als politisches Feigenblatt und wird ihrer Verantwortung für Tierschutz und Tierwohl nicht gerecht. Doch der Druck wird größer! Denn Tiere spielen in unserer Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle. Tiere gelten als Lebensgefährten. Werden als Führhunde für Blinde und Sehbehinderte, Begleiter mit medizinisch-sozialen Aufgaben verwendet. Sie sind „Therapeuten“ und beste Freunde für Kinder. Der Wandel des Tieres von einer neutralen „Sache“, einem Gegenstand, zum „Lebewesen“, verankert im Luxemburger Tierschutzgesetz, bleibt natürlich nicht ohne Folgen.

Tierschutz hat eigentlich eine lange Tradition. Nach der Gründung des ersten Luxemburger Tierschutzvereins 1908 hatte der sozialistische Abgeordnete René Blum schon 1924 einen Vorschlag für ein Tierschutzgesetz im Parlament eingebracht. Aber wie in Luxemburg üblich, dauerte es bis 1965, ehe Luxemburg sein erstes Tierschutzgesetz erhielt. Es wurde fast 20 Jahre alt, bevor es unter dem Einfluss der erstarkenden Naturschutzbewegung 1983 erneuert wurde. Es dauerte weitere 35 lange Jahre, bis durch den politischen Druck von Tierschützern ein neues Gesetz durchgeboxt wurde.


Es war ein langer und harter Kampf, gegen zahlreiche politische Widerstände. Seit über Internet Petitionen eingereicht werden konnten, war der Tierschutz ein regelmäßiges Anliegen. Verlangt wurde da ein Jagdverbot, ein Verbot von Pelzbekleidung, Zirkustieren, Stachel- und Würgehalsbändern, aber auch der Respekt vor Tieren, der Schutz der Bienen, eine strengere Bestrafung der Tierquälerei und eine Lockerung des Kampfhundegesetzes. Spätestens seit im Oktober 2014 die Petition 354 für ein neues Tierschutzgesetz in die Chamber eingebracht wurde, war Luxemburgs Politik gezwungen, sich mit dem Tierschutz im Großherzogtum auseinanderzusetzen.


Was haben Luxemburgs Politiker triumphiert, als sie kurz vor den Nationalwahlen 2018 einstimmig Luxemburgs neues Tierschutzgesetz verabschiedeten. Denn sie mussten dem Wahlvolk ja beweisen, dass sie Tierschutz durchaus ernst nehmen. Dass dieses neue Tierschutzgesetz nur durch eine Petition von aktiven Tierschützern zustande kam, hatten die Parlamentarier in dem vier Jahre lang andauernden Entscheidungsprozess in ihrer Euphorie über sich selbst glatt vergessen. Sie verbuchten das neue Tierschutzgesetz einfach für sich. Seitdem tritt der Tierschutz in Luxemburg auf der Stelle.


Doch inzwischen gibt es kaum eine Partei, die nicht bloß den Menschen, sondern auch das Tier in den Mittelpunkt stellen will. Im Wahlkampf bemühen sich unzählige Politiker, insbesondere Politiker aus der zweiten Reihe großer Parteien, um die Stimmen von Tierfreunden. Bei den letzten Nationalwahlen kam kein Parteiprogramm ohne Begriff „Tierschutz“ aus. Und alle Parteien in Luxemburg sind sich einig, dass Tiere „Lebewesen“ sind. Doch einige Parteien tun sich sehr schwer damit, ein Tier rechtlich auf eine Stufe mit dem Menschen zu stellen. Nicht umsonst wurden Tiere im neuen Tierschutzgesetz explizit als „nicht-menschliche“ Lebewesen bezeichnet. Es bewahrt die Distanz zwischen Mensch und Tier als Lebensform.


Besonders die „großen“ Regierungsparteien haben ihre Probleme mit dem Tierschutz. Man darf nicht vergessen: Der „Gebrauch“ von Tieren ist sehr tief in unserer Gesellschaft verankert. So scheuen sich manche Parteien, Tiere rechtlich als gleichwertige Mitgeschöpfe anzuerkennen. Sie befürchten drastische Folgen: Niemand dürfte Tiere töten, essen, einsperren, ihnen Milch und Eier wegnehmen oder sie für Tierversuche nutzen.


Das CSV-Grundsatzprogramm spricht deshalb beim Tierschutz von Nachhaltigkeit: „Mehr denn je bedeutet nachhaltige Verantwortung auch Klima-, Umwelt- und Tierschutz.“ Die Christ-Sozialen appellieren beim Tierschutz an die persönliche „Verantwortung“ jedes Einzelnen. Die natürlichen Lebensumstände der Tiere sollen nicht beeinflusst werden, man stellt aber gleichzeitig die Bedeutung der Landwirtschaft als „Rückgrat der Luxemburger Wirtschaft“ in den Mittelpunkt. Die Quadratur des Kreises ist da einfacher! Man hätte den „Tierschutz“ im Grundsatzprogramm auch weglassen können.


Regierungsparteien leisten keinen aktiven Tierschutz


Die DP wollte laut ihrem Wahlprogramm den „Tierschutz ernst nehmen“. Die Regierungspartei spricht davon, dass in den vergangenen Jahren „sehr viele Gesetze und Verordnungen zugunsten eines aktiven Tierschutzes geschaffen“ wurden. Man merkt nur nichts davon. Nur ein Beispiel: Tiertransporte! Trotz der bekannten Tierquälerei während der Tiertransporte, bleibt Luxemburgs Regierung untätig! Trotz Tierschutzgesetz lässt Luxemburgs Regierung Tiertransporte unbehelligt in und durch das Großherzogtum rollen.


Ob sich Landwirtschaftsminister Claude Haagen (LSAP) je damit befasst hat ist fraglich. Sein Vorgänger Romain Schneider (LSAP) hat sich in dieser Frage immer wieder aus der Verantwortung gestohlen und schob die seit 2007 geltende EU-Verordnung 1/2005 für den „Schutz von Tieren beim Transport“ vor, als sei die Gambia-Regierung nicht in der Pflicht, für den in Luxemburg geltenden Tierschutz zu sorgen.


Rechtliche Möglichkeiten hätte die Gambia-Politik genug. Einige EU-Mitgliedsstaaten, wie das Nachbarland Deutschland, setzen die europäischen Vorgaben mittels einer nationalen Tierschutztransportverordnung um. Es konkretisiert Vorgaben der europäischen Verordnung und regelt zahlreiche Bereiche strenger. Das könnte Luxemburg auch – will aber offenbar nicht! Obwohl das Tierwohl im Großherzogtum verfassungsmäßig verankert ist, bleiben sämtlich Tiertransporte weitestgehend unbehelligt, weil wieder einmal der politische Willen fehlt.


Nicht unterschlagen sollte man anhand des letzten Wahlprogramms der DP, dass die Regierungspartei die „Bedeutung der Jagd, bei der Regulierung der Wildbestände und zur Vorbeugung von Wildschäden“ hervorhebt, was einem aktiven Tierschutz widerspricht!

Bei der LSAP schlägt man sich selbst lobend auf die Schulter und betrachtet das Tierschutzgesetz als „wichtiger gesellschaftspolitischer Fortschritt“. Die sozialistischen Landwirtschaftsminister setzten diesen „Fortschritt“ bisher jedoch nicht um. Die von ihnen verantworteten Tiertransporte widersprechen sogar dem LSAP-Programm von 2018, in dem die Partei sich „konsequent für einen artgerechten Umgang mit Haus-, Nutz- und Wildtieren“ einsetzt und eine „konzentrierte Intensivtierhaltung“ von Zucht- und Gebrauchstieren ablehnt. Hätte man sich da nicht ein Hintertürchen offengelassen! Denn Tiertransporte, Schlachthäuser und Tierversuche werden nun einmal nicht abgelehnt. Hier fordert man strengere Kontrollen. Doch auch die werden bei den Tiertransporten und Tierhandel nicht durchgeführt.


„Tierzüchter und -händler müssen kontrolliert werden“, lautet eine jahrelange Forderung der Tierschützer. Doch davon ist Luxemburgs Politik, trotz Tierschutzgesetz, meilenweit entfernt. Gerade bei der Frage des illegalen Hunde- oder Katzenimports aus osteuropäischen Ländern und dem daraus resultierenden Handel mit häufig kranken Tieren handelt es sich um einen Bereich des Tierschutzes von gewichtiger Bedeutung. Wie so oft, wenn es um lästige oder unangenehme Dinge geht, schieben die sozialistischen Landwirtschaftsminister den Schwarzen Peter der EU zu. „Bei ausländischen Tierhändler, die ein Tierchen über Luxemburger Plattformen verkaufen, sind solche Kontrollen ganz schwer umzusetzen. Da müsste sich auf europäischem Niveau etwas ändern“, erklärte Ex-Landwirtschaftsminister Romain Schneider immer wieder lapidar.


Blödsinn! Was fehlt war bisher lediglich der Wille! Denn auf nationaler Ebene kann man durchaus etwas gegen illegalen Tierhandel tun. Wer für Luxemburg keine Handelsermächtigung hat, darf grundsätzlich nicht in Luxemburg tätig werden. Die Verweigerung der Handelsermächtigung ohne vorherige Überprüfung würde den illegalen Tierhandel schon einmal ausschließen. Ausländische Tierhändler ohne Genehmigung dürften kein Tier nach Luxemburg exportieren oder hier abgeben. Entsprechende Annoncen von Züchtern oder Händlern müssten ohne entsprechendes Zertifikat von den verantwortlichen Verlagen schlicht abgelehnt werden.


Politischer Problemfall „Déi Gréng“


Es ist schon bezeichnend, dass „Déi Gréng“ in ihrem letzten Wahlprogramm in Sachen „Tierschutz“ am Weitesten gingen, aber als Regierungspartei und mit Ministern an den entscheidenden Schaltstellen der Politik in den letzten fünf Jahren den Tierschutz ad absurdum führten. Dabei hatten die Grünen dem Tierschutz sogar ein eigenes Kapitel gewidmet: „Tiere schützen, auch in Landwirtschaft und Forschung“. Hier heißt es: „Das Nichtrespektieren der Würde des Tieres sowie die Ausbeutung von Tieren in der Massentierhaltung und die Misshandlung bei Tiertransporten oder Tierversuchen sind grundsätzlich zu unterbinden.“ Passiert ist bekanntlich nichts!


Weil auch „Déi Gréng“ genau das machten, was alle Regierungsparteien machen: einen Unterschied zwischen Haustier und Nutztier. Denn für Nutztiere forderten die Grünen nur noch eine „artgerechte Haltung“ und einen „respektvollen Umgang“. Für Respekt oder Würde war in diesem Kapitel dann kein Platz mehr. „Nicht artgerechte Tierhaltungssysteme, die dazu führen, dass Tieren etwa der Schnabel oder der Schwanz beschnitten wird, werden verboten; Tiertransporte auf ein Minimum reduzieren, beispielsweise durch die Förderung einer regionalen Schlachtung, Produktion und Vermarktung; Tierversuche in der medizinischen Forschung verbieten, wo es bereits Alternativen gibt“, war da zu lesen. Nichts anderes als ein Einknicken vor einer breit gefächerten Lobby der Bauern, Schlachthäuser, Lebensmittelindustrie und Universität.


Wäre es nur dabei geblieben! Doch die grüne Umweltministerin Carole Dieschbourg wie auch ihre Nachfolgerin im Amt, Joëlle Welfering, folgten auch noch den Forderungen der Lobby der Waldbauern und Jäger. Seit über 30 Jahren lebt eine Herde von Mufflon-Schafen im Echternacher Wald und wurde von Dieschbourg zum Abschuss freigegeben. Die nächste grüne Umweltministerin Joëlle Welfering hätte die sinnlose Tötung der Tiere abwenden können, hat sie aber nicht.


Mufflons sind zwar nicht einheimisch, sondern als „Fremdling“ in Luxemburg einzustufen, erfüllen jedoch ähnliche ökologische Funktionen wie Reh, Hirsch und Wildschwein in der heimischen Fauna. Doch den grünen Umweltministerinnen scheinen die waldwirtschaftlichen Prioritäten und die Jagdlust der zahlreichen Waidmänner wichtiger, als die Mufflons. Aus Sicht des Tier- und Naturschutzes ein völlig unsinniger Abschuss. Der Wildverbiss an Bäumen durch Mufflons verursacht grundsätzlich keine anderen Quantitäten und Qualitäten, als der Verbiss durch anderes Wild, wie Reh, Hirsch oder Wildschwein. In der Fachliteratur ist sogar zu lesen, dass Mufflons Gräser und Kräuter fressen und dem Wald nicht schaden - im Gegensatz zu Ziegen und Hausschafen.


Lobbyismus für die Jagd ist den Grünen in ihrem Umweltressort keineswegs unbekannt. Der Piraten-Abgeordnete Marc Goergen, der seinen Einzug in die Chamber zu großen Teilen dem Engagement für den Tierschutz verdankt, wollte von der Ex-Umweltministerin Carole Dieschbourg wissen: „Gibt es Alkoholkontrollen bei Jägern?“ Eine durchaus berechtigte Frage. Denn immer wieder kommt es zu Jagdunfällen. Teilweise mit lebensgefährlichen Verletzungen für Menschen. Und zum Leid vieler Tiere. Dieschbourgs Antwort war erschreckend: Kontrollen sind gar nicht möglich, weil es keinen Grenzwert gibt, ab dem man keine Waffe mehr führen darf!


Als Regierungspartei grenzt dies schon an grobfahrlässiger Ignoranz. Spätestens nach der Anfrage und der Erkenntnis eines fehlenden Grenzwertes, hätte die Ministerin handeln müssen. Die Gesetzeslücke schließen müssen. So darf man sich auch weiterhin mit einem ordentlichen Alkoholpegel einer Waffe bedienen, sich jedoch nicht mehr hinters Steuer setzen. Je nachdem, was man intus hat, fällt sogar die Fahrt mit dem Fahrrad aus. Auch am Arbeitsplatz ist Alkohol tabu. Alles aus guten Gründen. Nur für Jäger gibt es keine Promille-Grenze – obwohl sie mit scharfer Munition schießen.


Einstige „Öko-Partei“ ist realpolitisch eine Null


Um programmatische Inhalte geht es bei der einstigen Öko-Partei schon lange nicht mehr. Anträge in der Chamber werden jedenfalls kaum noch inhaltlich abgecheckt. Es geht nur noch um „Regierungsmeinung“. Tierschutz ist Umweltschutz – aber das ist den Dé Gréng vor lauter Regieren entgangen. Deshalb ist Luxemburgs Grünen-Politik vollkommen schizophren! Wer „Biodiversität“ fordert und ins Wahlprogramm schreibt, kann nicht auf den folgenden Seiten des gleichen Programms den Lebensraum sämtlicher Tiere vernichten, in dem man den Wohnungsbau forciert, den Bau von Straßen und Eisenbahnstrecken fordert oder die Ansiedlung einer Joghurtfabrik unter Einsatz massiver Wasserressourcen befürworten. Das widerspricht sich! Und so bleibt letztendlich der Lebensraum der Tiere und der Menschen auf der Strecke.


Es gehört zu Luxemburgs Paradox, dass ausgerechnet „Dèi Grèng“ für dieses Desaster politisch verantwortlich zeichnen. Die ehemaligen „Hoffnungsträger“ der Luxemburger Politik, die das Land in eine ökologisch bessere Zukunft führen wollten, erweisen sich heute als dessen „Totengräber“. Von der früheren Öko- und Sonnenblumen-Partei ist nichts mehr geblieben. Noch nie wurde in Luxemburg so viel Natur unter Beton begraben, wie ausgerechnet unter dem grünen Minister für „nachhaltige Entwicklung“ und „Transport“, François Bausch. Noch nie wurden so viele Bäume gefällt, wie unter seiner Federführung.


Die nackten Zahlen belegen: rund 4.655 Hektar Wiesen und Ackerland verschwanden unter Beton und Asphalt. Etwa 4.700 Hektar Wald wurden abgeholzt. Da kann von Biodiversität keine Rede mehr sein. Und die von den grünen Umweltministerinnen Carole Dieschbourg und Joëlle Welfering viel propagierte Luxemburger „Biolandwirtschaft“ ist nichts als eine Seifenblase. Intensive Landwirtschaft ist einer der Hauptgründe des geringer werdenden Lebensraums für Tiere und Pflanzen. In den letzten acht Jahren hat sich die Landwirtschaft deutlich verändert. Aber nicht in Richtung „Bio“ oder „Öko“! Während Futterweiden kontinuierlich verschwinden, haben intensiv genutzte Äcker und Felder für Futterpflanzen, wie beispielsweise Mais, um rund zehn Prozent zugenommen. Auch die Milchwirtschaft hat sich intensiviert. Sie hat ihren Ausstoß um ein Drittel auf 407.600 Tonnen Milch erhöht, während der Bestand an Kühen sank. Der Bestand an Mastschweinen hat um fast zehn Prozent zugenommen. Und dies, während die Grünen den Fleischkonsum verteufeln und eine vegane Lebensweise fordern!


Luxemburgs Politiker lassen Tierschutz abblitzen


Es gehört wohl mit zu den schlimmsten politischen Verfehlungen der letzten Zeit, wenn vier hochdotierte EU-Parlamentarier aus Luxemburg, „Ja zum Stierkampf“ sagen! Die mit ihrer Stimme EU-Fördergelder für das perverse Ritual der Stierkämpfe in Spanien freigeben. Das zeigt wieder einmal, wie ernst es gewählten Luxemburger Politikern mit dem Tierschutz ist. Dieses Verhalten ist an Heuchelei kaum zu überbieten.


Während im Heimatland im geltenden Tierschutzgesetz Tieren eine „Würde“ zugesprochen hat, sie als „nicht-menschliche Lebewesen, die Schmerz und andere Emotionen empfinden können“, betrachtet, sprachen sich Isabel Wiseler-Lima und Christophe Hansen von der CSV, Monica Semedo von der DP und Nicolas Schmit von der LSAP innerhalb der EU für den Stierkampf aus. Dabei war die Luxemburger Regierung auf das moderne Tierschutzgesetz besonders stolz. Brüsteten sich in den internationalen Medien als weltweiter Vorreiter in Sachen Tierschutz. Doch offensichtlich ist Brüssel zu weit von Luxemburg entfernt.

Stierkampf ist Tierquälerei, die durch nichts zu rechtfertigen ist. Nur zum morbiden Spaß des Publikums werden Tieren erst Spieße in den Rücken gerammt, von einem Pferd aus eine Lanze ins Fleisch gestoßen, mit purpurroten Tüchern gereizt den Kopf zu bewegen, damit sich ihre Verletzungen vergrößern. Um letztendlich durch einen Stich mit einem Degen ins Herz getötet zu werden – was aber in der Regel nicht beim ersten Mal klappt.


Auch die Debatte um ein „Pelzverbot“ geht als Farce für den aktiven Tierschutz in die Luxemburger Polit-Geschichte ein. „Den Verkauf von echtem Pelz in Luxemburg verbieten“, hieß die Forderung. Die Reform des Artikels 36 über die Arbeitsweise der Europäische Union hätte dies möglich gemacht. Mit dem Verkaufsverbot für Pelz wäre Luxemburg zum Vorreiter für ein Pelzverbot in Europa geworden. Doch die Gambia-Regierung ließ das Gesetz abblitzen.


Die DP erklärte, dass man keine Pelze verbieten könne. Man müsste dann ja auch Schafswolle verbieten. Außerdem würden heute Pelze von Tieren gewonnen, die dafür gezüchtet würden oder bei deren Tötung als „Abfallprodukt“ anfallen würden. Absolut makaber! Außerdem seien Pelze Produkte, die in anderen Ländern produziert und nach Luxemburg eingeführt würden. Dagegen könne man national nichts unternehmen.


Die CSV blieb in der Pelzdiskussion ihrem Grundsatzprogramm treu. Die Christ-Sozialen appellierten wieder einmal an die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen: „Die Verantwortung liegt beim Käufer von Pelzen.“ Die LSAP lehnte ebenfalls ein Pelz-Verbot ab, ohne näher auf das „Warum“ einzugehen. Déi Gréng stimmten grundsätzlich einem Pelz-Verbot zu, sahen aber erstaunlicher Weise keine Chance für ein nationales Gesetz. Sie stimmten ebenfalls mit „Nein“!


Die „Piraten“ gehen beim Tierschutz am Weitesten


Am Weitesten in Sachen Tierschutz geht die „Piratenpartei“. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn hier hat Tierschützer und Chef der Tierschutzorganisation „Give us a Voice“, Daniel Frères“, seine politische Heimat gefunden. Er steht im Osten für die „Piraten“ sogar zur Wahl. Aktiver Tierschutz nahm in seiner ganzen Bandbreite im letzten Wahlprogramm Platz ein. Für die „Piraten“ ist klar: „Déierequälerei soll kee Kavaléiersdelikt si mee muss mat schwéiere Strofe beluecht ginn.“ Und da gibt es auch für Bauern, Schlachthäuser und Lebensmittelhandel keine Ausnahme. Klare Kante auch gegen Tierversuche sowie Wildtiere im Zirkus. Es werden Tierauffangstation quer durchs Land gefordert sowie die Abschaffung der Hundesteuer.


Der Unterschied zu den Regierungsparteien: Bei den „Piraten“ bleibt der Tierschutz kein programmatisches Feigenblatt. Er gehört zur parlamentarischen Arbeit der beiden Abgeordneten. Sei es in parlamentarischen Anfragen oder Gesetzesinitiativen. Man fordert „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, weil Massentierhaltung zu schlechten Konditionen für die Tiere und den Menschen führt. Tiertransporte sollen auf einen Radius von 100 Kilometern begrenzt werden, wobei Bauern das nächstgelegene Schlachthaus anfahren müssen. Bezüglich der Schlachthäuser fordert man eine Diskussion über die Art und Weise der Schlachtung. Vieles scheitert am kategorischen „Nein“ der Regierungsparteien oder wird als nicht so wichtig vom Tisch gewischt. Wie beim Pelzverbot, bei den Tiertransporten, beim Tierhandel oder illegalen Tierzüchtern.


Dass der Tierschutz in die Programme der Parteien Einzug gehalten hat, ist sicherlich auch das Verdienst vom Piraten Daniel Frères, der mit seiner Petition den Stein des Anstoßes für das aktuelle Tierschutzgesetz lieferte. So erfreulich sich die gesellschaftliche Stellung der Tiere in Luxemburg heute geändert hat, bleibt für den Tierschützer dennoch ein fader Beigeschmack, was die Umsetzung des Gesetzes angeht.


„Déiereschutz: Keen ass esou konsequent wéi d’ADR“, meint die Oppositionspartei im Parlament und widmete dem Tierschutz ein ganzes Kapitel. Für die ADR gebe es im Tierschutz keine Kompromisse, heißt es dort, doch konkret wurde man leider nicht. In der vergangenen Legislaturperiode hat Tierschutz bei der ADR keine Rolle gespielt. Im Gegenteil, man setzt sich für die Jagd ein und hat ein Pelz-Verbot abgelehnt.


„Déi Lénk“ gehören schon lange zu den Verfechtern eines ordentlichen Tierschutzes. Der gehört für die Partei ins Zentrum der Zukunftsplanung, die sozial und ökologisch sein soll. Bereits 2013 haben die Parteivertreter erklärt: „Der Schutz der Tiere vor Ausbeutung, Leiden und Ausrottung muss verbessert und in die Praxis umgesetzt werden.“ Damit sind nicht nur Haustiere gemeint. Das schließt Nutztiere ausdrücklich ein. Die Linken sind davon überzeugt, dass standardisierte Massenproduktion – auch in der Tierhaltung – weitreichende Folgen für die Gesundheit der Menschen hat. Der logische Schluss: Geht es dem Tier gut, geht es dem Menschen gut. Konkrete Initiativen für den Tierschutz ließen sich in der letzten Legislaturperiode allerdings nicht erkennen.


Nun ist wieder Wahlkampf und man darf gespannt sein, was sich die politischen Parteien dieses Jahr wieder in ihre Wahlprogramme und auf ihre Fahnen schreiben. Die Bilanz der letzten Legislaturperiode ist ernüchternd, weil sich erwiesen hat, dass gerade bei den Regierungsparteien der Tierschutz nichts mit den Programmen zu tun hatte. Die politischen Versprechungen bei den allermeisten Parteien waren nichts als heiße Luft. Luxemburgs Parteien können sicher sein: WOW wird auch dieses Jahr wieder in die neuen Wahlprogramme sehen und ihnen bei ihrer politischen Arbeit den Spiegel vorhalten! Tierfreunde und Tierschützer lassen sich nicht mit einfacher Programmatik abspeisen!

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