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Nachsicht für den albanischen Killer?


Es war eine Tat, die ganz Luxemburg aufschreckte. Im November 2020 hallten Schüsse durch die Nacht! In Remich, der sonst ruhigen und etwas verschlafenen „Perle der Mosel“. In der Nähe der Grenzbrücke sackte ein Mann mit einer Kugel im linken Bein auf den Boden. Drei weitere Schüsse verfehlten ihn. Der Täter, der Albaner Aldo Iamanid, flüchtete und wurde zum „most wanted“-Kriminellen in ganz Europa. Nun stand er vor den Richtern. Doch Luxemburgs Justiz erweckte nicht den Eindruck, als hätte sie eine Ahnung, wer da eigentlich vor ihr steht.


Man hatte nicht den Eindruck, einen der höchstgefährlichsten Verbrecher Europas und bedeutendes Mitglied eines internationalen Drogenrings auf der Anklagebank sitzen zu haben. Denn Luxemburgs Richter und Staatsanwaltschaft konzentrierten sich ausschließlich auf die Tat in Remich und deuteten den wahren Charakter des Albaners höchsten nur kurz an. Sein Verteidiger stellte ihn naturgemäß als Unschuldslamm dar. Und Iamanid selbst, routiniert und im Umgang mit der Justiz ganz Profi, vergaß natürlich nicht, auf eine Notwehrsituation zu plädieren: „Ich hatte keine andere Wahl.“ Er habe sein Opfer auch nie töten wollen, sondern sich nur verteidigt.


Die Fakten des Mordversuchs in Remich sind schnell erklärt: Aldo Iamanid saß mit drei Frauen in einem Remicher Bistro – und die gerieten in den Fokus von zwei Männern. Der Albaner rastete aus, es kam zum Streit. Alle Beteiligten verließen das Lokal, doch Aldo kehrte zurück, wird wenig später von einem der Männer durch Klopfen auf das Fenster des Bistros, nach draußen gerufen. Kurz darauf fiel ein erster Schuss. Er begann eine Verfolgungsjagd, die in der Nähe der Grenzbrücke endete. Aus wenigen Metern Entfernung gab Aldo drei Schüsse auf den Mann ab. Die Kugeln trafen das Opfer ins Bein. Dann tauchte der Täter ab.


Aldo Iamanid sorgte in seiner Heimat weiter für ordentlich Schlagzeilen. Denn in Albaniens Hauptstadt Tirana griff er erneut zur Waffe und schoss auf der belebten ‚Todi Shkurti‘-Straße zwei junge Männer nieder. Auslöser: ein banaler Autounfall. Die beiden Jungs hatten mit ihrem Wagen bei der Suche nach einem Parkplatz den Wagen von Aldo touchiert. Sie suchten den Besitzer in einer der Bars. Als Aldo seinen Wagen begutachtete, zog eine Waffen und schoss die beiden einfach nieder.


Nach den Schüssen auf die beiden jungen Männer in Tirana setzte er sich nach Belgien ab. Dort fiel er auf, weil er ständig mit einem „fetten“ Mercedes (G-Klasse, AMG) unterwegs war. Was er beruflich machte und woher er das Geld für seinen aufwendigen Lebensstil hatte, war völlig unklar. Das rief die europäischen Zielfahnder auf den Plan. Belgische Polizisten ließen im Dezember 2021 in der Mietwohnung von Aldo in Brüssel die Handschellen klicken. Die Ermittler fanden dort zwei Sturmgewehre und einen Revolver. Wenig später wurde er nach Luxemburg ausgeliefert.


Es ist schon eigenartig, wie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen den schwerkriminellen Albaner Nachsicht walten ließ. Zwar betonte sie, Aldo Iamanid habe nicht verhältnismäßig gehandelt. „Er hat den Tod seines Opfers durch den Schusswaffengebrauch billigend in Kauf genommen.“ Doch dann nahm sie ihn mehr oder weniger in Schutz, brachte strafmildernde Momente ins Spiel: „Der Mann hat in einer Stresssituation geschossen und unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden.“ Sie forderte eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren.


Staatsanwaltschaft trotz krimineller Energie sehr nachsichtig


Natürlich sprach die Verteidigung von Notwehr. Direkt zwei Männer hätten seinem Mandanten gegenübergestanden. Einer habe ein Messer gezückt. „Mein Mandant ist ein erfahrener Schütze. Er hatte nie die Absicht gehabt, das Opfer zu töten, sondern hat nur einen Angriff abwehren wollen.“ Er sei freizusprechen.


Urteil folgt!

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