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Maria Teresa und der Scherbenhaufen


Wenn man heutzutage über die Krise der Luxemburger Monarchie schreibt, wenn man das Thema auch außerhalb des stillen Autoren-Kämmerlein nur anspricht, dann kann man sich kehren und drehen wie man will, die Hauptakteurin des Niedergangs der Luxemburger Monarchie, der Grund allen Übels, die Meisterin der Intrigen, der Unbeherrschtheit und des „Ins Fettnäpfchen treten“, die Inkarnation des Katalysators des vermeidbaren, aber nicht vermiedenen Dramas, springt einen regelrecht an: Maria Teresa. Eine Frau, die nicht nur von einer Panne in die andere stürzte, die Ausrutscher und Entgleisungen in einem Masse anhäufte, dass einem Hören und Sehen verging und –das Gravierendste an ihrem Benehmen- total uneinsichtig ist und (fast) jeden Ausrutscher, jede falsche Entscheidung, durch einen erneuten und noch schlimmeren Ausrutscher, eine noch dramatischere Entgleisung toppt. Jähzorn, falsche Spontaneität, Herumgemotze und auch Wut haben Maria Teresa isoliert, an die Wand gedrückt und zu einer traurigen Gestalt verkommen lassen, die einem heute, mit ihren Verwirrungen und all dem, was sie antreibt, leid tut.


Eigentlich schade! Sie war nicht die Bankdrückerin, das scheue Reh, die gefügige Ehefrau eines „mächtigen“ Mannes, das Mauerblümchen, wie es heuer Erbrossherzogin Stéphanie ist. Sie war, ist und bleibt ein Überraschungspacket, allerdings mit weitaus mehr schlechten als guten Überraschungen. Schade, dass aus dieser Frau mit diesem vielversprechenden Profil, ein unkontrolliertes und unkontrollierbares Wesen wurde, das schlussendlich auszog, um die Luxemburger Monarchie zu modernisieren und der neuen Zeit anzupassen, der aber ihr Charakter dermaßen im Wege stand, dass sie auf die Nase fiel und mit ihren Kurzschlussreaktionen die ganze Luxemburger Monarchie mit in den persönlich zu verantwortenden Schlamassel gezogen hat.


Und so wird die Akte Maria Teresa, die das Herz des im September erscheinenden Buches „Die verkommene Monarchie“ darstellt, zur Analyse eines Scherbenhaufens, und die Aufzählung und Beschreibung neuer und exklusiver Skandale zur Illustration, wie es dazu kommen konnte. Ja, das hat schon was von Voyeurismus, wenn man den Blick durch das Schlüsselloch im Palais grand-ducal wagt und so nebenbei auch noch die Persönlichkeit der unwilligen Großherzogin analysiert.


Allerdings ist das, was Maria Teresa tut, auch manchmal mehr als charakterlicher und psychischer Exhibitionismus. Es ist die Darstellung des Weges einer durchaus starken Frau, die sehr schnell durch eigenes und externes Verschulden auf die schiefe Bahn der Monarchie geriet und dieser in einem Masse Schaden zugefügt hat, der in seinen Konsequenzen noch schwer einzuschätzen ist und dessen wirkliches und reales Ausmaß wir erst in den nächsten Jahren abschätzen können.

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