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Die „Verachtung“ der Staatsanwaltschaft


Diesen Brief erhielt ein wegen Mordes einsitzender Strafgefangener aus Schrassig, in dem man vor allem Folgendes lesen kann: „Dans l’attente de l’issue de la procédure en révision annoncée, l’intéressé est invité à s’adresser exclusivement à Mme la Déléguée à l’exécution des peines en charge de son dossier pour voir toiser sa demande en libération immédiate“. Unterschrieben am 19 April 2023 vom procureur général d’Etat adjoint, Marie Christiane Catherine Bisenius.


Man kennt ja die Beamtensprache, häufig unnötig kompliziert und anstrengend verfasst, damit man irgendwie das gemeine Volk ausschließen kann. Aber darf man wirklich so hochnäsig Texte komponieren, dass sie lächerlich und sogar dumm und blöd aussehen? Denn was heißt eigentlich dieses „toiser“? Laut dem dictionnaire Robert, bedeutet dieses transitive Verb nicht mehr und nicht weniger als „regarder avec dédain, mépris“. Gleiche Meinung im dictionnaire Pons, wo „toiser“ übersetzt wird mit „verächtlich anschauen“.


So schreibt also die Staatsanwaltschaft dem Gefangenen, dass man seine Anfrage mit Verachtung anschauen wird. Da braucht man ja dann absolut nicht auf die Entscheidung des Magistraten zu warten.

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