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Bordell-Prozess: Huren gegen Zuhälter


Täglich verfrachtete Rigo Wendt, Chef des Clubs „Pearls“ in Trier, Prostituierte über die Grenze nach Luxemburg und nach dem Sex wieder zurück. Während Rigo Wendt in Trier auf freiem Fuß ist, wurden seine Handlanger vom der 12. Strafkammer des Luxemburger Bezirksgericht im März letzten Jahres zu Haftstrafen verdonnert. Die drei „Liebesdamen“ und auch die Fahrer erhielten Haftstrafen. Dagegen legten zwei der drei Huren Berufung ein.

Jahrelang bot der Trierer Club „Pearls“ Hausbesuche in Luxemburg an (PRIVAT berichtete). Rund 800mal pro Jahr passierten die Limousinen des Puffs die Luxemburger Grenze und chauffierten die „Liebesdamen“ zu zahlungskräftigen Kunden. Dafür kassierten zwei der Prostituierten in erster Instanz eine Haftstrafe von 18 Monaten auf Bewährung, eine andere 12 Monate. Dazu ein Berufsverbot: Alle drei dürfen fünf Jahre nicht mehr in der Luxemburger Gastronomie arbeiten und bekamen noch eine Geldstrafe von 1.000 Euro aufgebrummt. Die drei Fahrer erhielten je eine sechsmonatige Bewährungsstrafe.


Die Verteidigung bezeichnete das Urteil als nicht gerechtfertigt. Weil der wahre Verantwortliche, Rigo Wendt, nicht auf der Anklagebank gesessen habe und „ein Exempel an kleinen Fischen“ statuiert wurde. Zwei der drei „Liebesdamen“ legten deshalb Berufung ein. Huren wie auch Fahrer hatten im Verfahren ausgesagt, dass sie keine Ahnung hatten, dass der Escort-Service illegal war. Alles habe auf einen völlig legalen Job hingedeutet.


Interessant: Sieben Jahre lang gingen alle unbehelligt ihrem Job beim „Escort-Service“ des „Pearls“ unter den wachsamen Augen von Luxemburger Ermittlern nach. Als Luxemburgs Fahnder dann 2019 zuschlagen wollten, war es zu spät. Deutschlands Steuerfahndung war schneller! Rigo Wendt wanderte wegen Steuerhinterziehung von geschätzten 24 Millionen Euro in Untersuchungshaft, wurde später zu einer Haftstrafe verurteilt. Heute ist Rigo Wendt auf freiem Fuß, geht nach seiner dreijährigen Gefängnisstrafe in Trier einem geregelten Beruf nach.


Luxemburgs Justiz pocht dennoch auf Auslieferung, setzte Rigo Wendt zeitweilig sogar mit einer Öffentlichkeitsfahndung auf die „Gesuchtenliste“ von Europol. „Alles, was meinem Mandanten angelastet wird, hat sich in Deutschland zugetragen. Und er ist deutscher Staatsbürger. Deshalb kann ihm gegebenenfalls auch nur in Deutschland deswegen der Prozess gemacht werden“, erklärt Wendts Anwalt.


Luxemburgs Staatsanwaltschaft gab damals den deutschen Behörden die Schuld, dass Bordellbesitzer Rigo Wendt nicht in Luxemburg mit auf der Anklagebank saß – Deutschland sei unkooperativ gewesen. Deshalb konzentrierte sich Luxemburgs Justiz auf die „Angestellten“. Alle hätten eine entscheidende Rolle in der Organisation des Escort-Dienstes gespielt. Was im Berufungsverfahren angezweifelt wird. Das Urteil steht noch aus.

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