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18 Jahre Haft... auf Bewährung


Fünfmal rammte Jessica B. das Küchenmesser in den Leib des vor ihr knienden Bruders, der danach leblos auf den Boden sinkt. „Keine Notwehr“, so das Gericht und dennoch geht die Schwester des Opfers nicht wegen Mordes ins Gefängnis. In zweiter Instanz verurteilte das Gericht Jessica B. drei Jahre nach der Tat nämlich zu 18 Jahren Haft auf Bewährung. Ein Urteil für ein Kapitalverbrechen, wie es in Europa wahrscheinlich nur in Luxemburg möglich ist.


Der Tathergang ist zweifelsfrei geklärt: In der Küche des Wohnhauses in Schifflingen kommt es am 3. Mai 2021 zu einer heftigen verbalen Auseinandersetzung zwischen dem angetrunkenen, bekifften und aggressiven 44-Jährigen, seiner Mutter wie auch seiner Schwester. Der Bruder trinkt Wodka und raucht Cannabis. Weil die Pensionskasse zum vierten Mal seinen Antrag auf Invalidenrente ablehnte, verhält er sich besonders aggressiv. Es kommt zum Gerangel. Die resolute Schwester packt sich ein Küchenmesser und stich zu. Auch als der Bruder bereits kampfunfähig am Boden kniet.


Außergewöhnlich wie das unglaublich milde Urteil ist auch das Nachtatverhalten von Jessica. Als die Polizei im Wohnhaus in Schifflingen eintrifft, steht sie in der Küche, raucht und trinkt in aller Ruhe ein Glas Wein, während auf dem Boden neben ihr der leblose Körper ihres Bruders in einer Blutlache liegt. Auf der Anrichte liegt das 15 Zentimeter lange Küchenmesser, an dessen Klinge noch Blut klebt.


Die Richter der ersten Instanz betonten damals in der schriftlichen Begründung, dass Jessica B. ihren Bruder eindeutig getötet hat und es sich um keine Notwehr handelte. Eine Tat, die aufgrund ihrer Schwere eine vollkommene Bewährungsstrafe ausschließt. Doch die Richter berücksichtigten die Umstände am Tatabend und verurteilte Jessica zu 18 Jahren Haft und setzten 13 Jahre der Strafe zur Bewährung aus. Was bereits ein sehr mildes Urteil war, zumal die Staatsanwaltschaft eine 25-jährige Haftstrafe forderte. Die zweite Instanz setzte nun die gesamte Haftstrafe von 18 Jahren zur Bewährung aus und milderten das erste Urteil damit nochmals ab.


Deshalb bleibt Jessica B. auf freiem Fuß, als habe sie sich nichts zu Schulden kommen lassen.

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